LitCam – mehr Bildung für mehr Gerechtigkeit

In Deutschland können rund 20 Prozent der 15-Jährigen nicht ausreichend lesen und schreiben (Bildungsbericht Deutschland, 2012), etwa 50.000 Jugendliche verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss (Bertelsmann Stiftung, 2012). Von dieser dramatischen Entwicklung sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Haushalten betroffen, die kaum Unterstützung und Förderung von zu Hause erhalten. So hängen in Deutschland die Bildungschancen stark vom Sozialstatus ab. Genau hier setzen die Projekte von LitCam an – für mehr Bildung und mehr Gerechtigkeit.

LitCam (Literacy Campaign) wurde im Jahr 2006 als Initiative auf der Frankfurter Buchmesse ins Leben gerufen. Seit 2010 ist sie eine gemeinnützige Gesellschaft mit dem Ziel, die Bedeutung von Bildung und deren uneingeschränkten Zugang für alle Gruppen der Gesellschaft zu fördern. Außerdem vermittelt LitCam mit eigenen Projekten Kompetenzen für verschiedenste Lebensbereiche. Chancengleichheit für alle, unabhängig vom sozialen oder materiellen Status, ist das erklärte Ziel.

Mit Hilfe der Scheck-Stiftung konnten mehrere Projekte für förderungsbedürftige Kinder und Jugendliche in Hamburg umgesetzt werden: Sowohl „Fußball trifft Kultur“ an zwei Schulen als auch eine Lern- und Leseecke im Rahmen der Initiative „Bücher sagen Willkommen“ für Flüchtlingskinder an der Erstaufnahmeeinrichtung Schmiedekoppel:

Bücher sagen Willkommen

Von der Scheck-Stiftung unterstützt, hat die Initiative „Bücher sagen Willkommen“ eine Lern- und Leseecke für Flüchtlingskinder in der Hamburger Erstaufnahmeeinrichtung Schmiedekoppel eröffnet. In der kleinen Bibliothek können Kinder und Jugendliche insgesamt rund 520 Lern- und Lesemedien sowie Spiele nutzen. Die Aktion soll ihnen das Lernen der deutschen Sprache erleichtern und den Alltag in der Flüchtlingsunterkunft bereichern.

Im gesamten Bundesgebiet haben mittlerweile über 15.000 Flüchtlingskinder Zugang zu den Lern- und Leseecken von „Bücher sagen Willkommen“. Die Initiative wurde zum Weltbildungstag im September 2015 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, LitCam und der Frankfurter Buchmesse ins Leben gerufen. Die Angebote sollen Asylsuchenden und Flüchtlingen einen leichten Zugang zu Lern- und Lesematerial bieten und sind in Flüchtlingsunterkünften, Sprachschulen und Beratungsstellen zu finden.

Karin Plötz, Direktorin LitCam, ist stolz: „Wenn ich sehe, mit wieviel Herzblut hier gearbeitet wird, dann gibt mir das ein gutes Gefühl und motiviert mich in meinem Tun. Es ist schön zu sehen, dass unsere Stiftung dazu beitragen konnte, den Flüchtlingskindern diese Lern-und Leseecke zu ermöglichen und dass sie sichtlich Spaß an den Materialien haben“.

Dank der Unterstützung ehrenamtlicher Helfer können die Bewohner täglich selber lesen oder auch mehrsprachigen Geschichten zuhören. „Die Lern- und Leseecken sind somit nicht nur ein Freizeitzimmer in der Unterkunft, sondern vor allem auch Begegnungsstätten und Orte der gelebten Integration“, resümiert Frank Zimmermann, Abteilungsleiter der ASB Flüchtlingshilfe Hamburg.

Seit Beginn der Initiative haben Buchhandlungen, Verlage und Buchkunden bisher 45.000 Euro für die Aktion gespendet. Ausgewählt werden die Bücher von einem Team aus erfahrenen Leseförderungsexperten, darunter der renommierte Professor für Entwicklungspsychologie Wassilios E. Fthenakis. Verlage können bei LitCam Empfehlungen für geeignete Bücher einreichen, die von Experten gesichtet und ausgewählt werden. Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Navid Kermani, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2015.

Fußball trifft Kultur

In Hamburg engagiert sich LitCam mit Unterstützung der Scheck-Stiftung seit 2008 an der Ganztagsschule Osterbrook und der Stadtteilschule Griesstraße mit zwei „Fußball trifft Kultur“-Projekten. Das Projekt verfolgt das Ziel, förderungsbedürftigen Jungen und Mädchen die Chance auf bessere Bildung zu ermöglichen. Hierfür erhalten teilnehmende Kinder zweimal wöchentlich Förderunterricht in Kombination mit Fußballtraining. Kulturelle Aktivitäten wie Theaterworkshops oder Museumsbesuche ergänzen das Programm. Der Schwerpunkt im Förderunterricht liegt vor allem in der Vermittlung der deutschen Sprache. Das Fußballtraining wird hier ebenso als Lernansatz genutzt; so üben die Kinder und Jugendlichen beispielsweise anhand von Bundesligatabellen das Rechnen oder in Sportbüchern das Lesen.

Die Kombination aus Unterricht, Training und kulturellen Aktivitäten verbessert das kommunikative und soziale Verhalten der Kinder, stärkt die Lernmotivation und weckt Interesse an kulturellen Themen und Aktivitäten. Spielerisch wird hier der Antrieb aus der Fußballbegeisterung heraus auch für andere Aspekte genutzt. Als Partnerclub hat der Hamburger SV Jugendtrainer für das Projekt vermittelt. Das gesteigerte Interesse an Bildung und Kultur verbessert die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen, die häufig in eher bildungsfernen Hintergründen aufwachsen.

Die Scheck-Stiftung will auch in Zukunft sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in verschiedenen Projekten unterstützen sowie sich für mehr Chancengleichheit im Bildungssektor einsetzen.